Sauerstoff

REPEX, OTU und CNS-Uhr verständlich erklärt

02.08.2026 Jonas Martins 15 Min. Lesezeit
REPEX, OTU und CNS-Uhr verständlich erklärt

CNS, OTU und REPEX werden im technischen Tauchen häufig gemeinsam angezeigt. Trotzdem beschreiben sie nicht dasselbe Risiko. Die CNS-Uhr bewertet die zentralnervöse Sauerstoffbelastung, OTUs dienen der Abschätzung der pulmonalen Exposition und REPEX hilft bei der Planung wiederholter Sauerstoffbelastungen über mehrere Tage.

Kurz erklärt

CNS, OTU und REPEX sind konservative Planungsmodelle. Sie helfen dabei, unterschiedliche Formen der Sauerstoffbelastung einzuordnen. Keines dieser Modelle kann jedoch exakt vorhersagen, wann ein bestimmter Taucher Symptome einer Sauerstofftoxizität entwickeln wird.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • CNS, OTU und REPEX beschreiben unterschiedliche Aspekte der Sauerstoffbelastung.
  • Die CNS-Uhr bewertet die modellierte Belastung des zentralen Nervensystems.
  • OTUs dienen zur Abschätzung der kumulativen pulmonalen Sauerstoffexposition.
  • REPEX unterstützt die Planung wiederholter Expositionen über mehrere Tauchtage.
  • Keine der Kennzahlen kann einen Krampfanfall oder eine Lungenschädigung sicher vorhersagen.
  • Die Modelle ergänzen eine konservative Tauchgangsplanung, ersetzen sie aber nicht.

Drei Zahlen – und trotzdem herrscht häufig Verwirrung

Wer einen technischen Tauchgang plant oder die Daten seines Tauchcomputers auswertet, stößt häufig auf drei Begriffe:

Neurologisch

CNS

Modellierte Belastung des zentralen Nervensystems durch einen erhöhten Sauerstoffpartialdruck.

Pulmonal

OTU

Berechnete Sauerstoffdosis zur Abschätzung der Belastung von Lunge und Atemwegen.

Mehrtägig

REPEX

Modell zur Planung wiederholter pulmonaler Sauerstoffexpositionen über mehrere Tage.

Viele Taucher wissen, dass alle drei Werte mit Sauerstoff zusammenhängen.

Wofür sie genau stehen und weshalb mehrere Modelle notwendig sind, bleibt jedoch häufig unklar.

CNS, OTU und REPEX beantworten unterschiedliche Fragen. Deshalb darf keine der Kennzahlen isoliert betrachtet werden.

Warum gibt es verschiedene Modelle?

Sauerstoff kann den menschlichen Körper auf unterschiedliche Weise belasten.

Eine hohe Sauerstoffexposition über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum wirkt anders als eine moderate Exposition über viele Stunden oder mehrere Tage.

Deshalb reicht eine einzige Kennzahl nicht aus.

Hoher PO₂

Ein hoher Sauerstoffpartialdruck kann das zentrale Nervensystem akut belasten.

Lange Exposition

Eine länger anhaltende Sauerstoffexposition kann die Lunge und Atemwege belasten.

Wiederholte Tauchgänge

Mehrere Expositionen können sich über einen Tauchtag oder eine Expedition summieren.

Unvollständige Erholung

Bei mehrtägigen Tauchserien kann zwischen den Expositionen nur begrenzte Erholungszeit zur Verfügung stehen.

Unterschiedliche Zielgrößen

Die CNS-Uhr wurde zur Einschätzung der akuten neurologischen Belastung entwickelt. OTUs und REPEX konzentrieren sich dagegen auf die kumulative pulmonale Sauerstoffexposition.

Die CNS-Uhr

CNS steht für Central Nervous System.

Die CNS-Uhr beschreibt die modellierte Belastung des zentralen Nervensystems durch einen erhöhten Sauerstoffpartialdruck.

Sie basiert im Wesentlichen auf zwei Faktoren:

  • dem Sauerstoffpartialdruck,
  • der Dauer der Exposition.

Je höher der PO₂ und je länger die Exposition anhält, desto schneller steigt der berechnete CNS-Wert.

1

PO₂ bestimmen

Der Sauerstoffpartialdruck ergibt sich aus Sauerstoffanteil und Umgebungsdruck.

2

Expositionsdauer erfassen

Der Zeitraum unter dem jeweiligen PO₂ wird berücksichtigt.

3

CNS-Anteil berechnen

Die Exposition wird als prozentualer Anteil eines modellierten Limits dargestellt.

4

Gesamtexposition addieren

Unterschiedliche Phasen eines Tauchgangs werden zu einem Gesamtwert zusammengeführt.

Was bedeutet ein CNS-Wert von 100 Prozent?

Die Anzeige der CNS-Uhr erfolgt normalerweise in Prozent.

Ein Wert von 100 Prozent bedeutet jedoch nicht, dass unmittelbar ein Krampfanfall auftreten muss.

Ebenso bedeutet ein Wert unter 100 Prozent nicht, dass eine zentralnervöse Sauerstofftoxizität ausgeschlossen ist.

Keine biologische Krampfschwelle

Die CNS-Uhr ist ein konservatives Expositionsmodell. Sie kennt weder die individuelle Sauerstoffempfindlichkeit noch die tatsächliche CO₂-Belastung, körperliche Arbeit oder Tagesform des Tauchers.

100 Prozent CNS sind eine planerische Grenze – keine exakte neurologische Grenze des Körpers.

Warum steigt die CNS-Uhr bei hohem PO₂ schneller?

Die zulässige Expositionsdauer nimmt mit steigendem Sauerstoffpartialdruck deutlich ab.

Deshalb wird eine Minute bei einem hohen PO₂ stärker gewichtet als eine Minute bei einem niedrigeren Wert.

Exposition Typische Modellwirkung
Niedrigerer PO₂ über längere Zeit Langsamerer Anstieg der CNS-Prozentzahl
Hoher PO₂ über kurze Zeit Deutlich schnellerer Anstieg der CNS-Prozentzahl
Wechselnde PO₂-Werte Einzelne Expositionsabschnitte werden addiert

Nicht linear

Die Belastung steigt nicht einfach proportional mit dem PO₂. Höhere Sauerstoffpartialdrücke werden im Modell zunehmend stärker gewichtet.

Was sind OTUs?

OTU steht für Oxygen Tolerance Unit.

Dieses Modell beschreibt nicht primär das Risiko eines neurologischen Krampfanfalls.

OTUs dienen zur Abschätzung der kumulativen Belastung von Lunge und Atemwegen.

Die CNS-Uhr bewertet vor allem die akute neurologische Exposition. OTUs beschreiben die modellierte pulmonale Sauerstoffdosis.

Je länger ein Taucher erhöhten Sauerstoffpartialdrücken ausgesetzt ist, desto mehr OTUs sammelt er an.

Auch bei der OTU-Berechnung werden höhere PO₂-Werte stärker gewichtet.

Ab welchem PO₂ entstehen OTUs?

Im klassischen OTU-Modell beginnt die Berechnung oberhalb eines Sauerstoffpartialdrucks von ungefähr 0,5 bar.

Unterhalb dieses Bereichs wird die Exposition im Modell üblicherweise nicht als relevante pulmonale Sauerstoffdosis gewertet.

Unterhalb

PO₂ bis etwa 0,5 bar

Im klassischen OTU-Modell werden üblicherweise keine OTUs angesammelt.

Oberhalb

PO₂ über etwa 0,5 bar

Die Exposition wird abhängig von PO₂ und Dauer als OTU-Wert berechnet.

Modellgrenze

Die Schwelle von 0,5 bar ist Bestandteil des Berechnungsmodells. Sie bedeutet nicht, dass Sauerstoff unterhalb dieses Wertes biologisch wirkungslos wäre.

Wie werden OTUs berechnet?

Eine OTU entspricht modellhaft einer Minute Sauerstoffexposition bei einem PO₂ von 1,0 bar.

Bei höheren Sauerstoffpartialdrücken steigt die Zahl der OTUs pro Minute.

Die klassische Berechnung basiert auf folgender Beziehung:

OTU-Berechnung

OTU = Zeit × [(PO₂ − 0,5) ÷ 0,5]5/6

Die Formel wird nur für Expositionen oberhalb eines PO₂ von etwa 0,5 bar verwendet.

PO₂ Expositionsdauer Ungefähre OTU-Wirkung
0,5 bar 60 Minuten 0 OTU im klassischen Modell
1,0 bar 60 Minuten Etwa 60 OTU
1,4 bar 60 Minuten Deutlich mehr als 60 OTU
1,6 bar 60 Minuten Noch stärker gewichtete Exposition

Was sagt eine OTU-Zahl aus?

Eine OTU-Zahl beschreibt die berechnete Sauerstoffdosis.

Sie zeigt nicht direkt, ob die Lunge eines bestimmten Tauchers bereits geschädigt oder eingeschränkt ist.

Sie beschreibt Exposition

Der Wert fasst PO₂ und Expositionsdauer in einer gemeinsamen Kennzahl zusammen.

Sie misst keine Symptome

Husten, Brustbeschwerden oder Belastbarkeit werden nicht erfasst.

Sie kennt keine Individualität

Unterschiedliche persönliche Empfindlichkeiten werden nicht berücksichtigt.

Sie unterstützt Planung

Tauchgänge und Tauchserien lassen sich anhand einer gemeinsamen Belastungsgröße vergleichen.

OTUs sind ein Maß für die modellierte Sauerstoffdosis – nicht für den aktuellen Zustand der Lunge.

Warum sind OTUs bei langen CCR-Tauchgängen relevant?

Ein CCR hält den Sauerstoffpartialdruck über lange Zeit auf einem relativ konstanten Niveau.

Dadurch kann auch bei moderaten Setpoints eine erhebliche pulmonale Sauerstoffdosis entstehen.

Lange Grundzeiten

Mehrere Stunden bei einem konstant erhöhten PO₂ summieren sich.

Umfangreiche Dekompression

Hohe Sauerstoffpartialdrücke während der Dekompression erhöhen die Gesamtzahl der OTUs.

Mehrere Tauchgänge

Die OTUs aller Expositionen eines Tauchtages werden addiert.

Mehrtägige Projekte

Die Belastung sollte nicht nur pro Tauchgang, sondern über die gesamte Tauchserie betrachtet werden.

Was ist REPEX?

REPEX steht für Repetitive Exposure.

Das Modell wurde zur Planung wiederholter Sauerstoffexpositionen entwickelt.

Es wird vor allem dann relevant, wenn an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen hohe OTU-Werte entstehen.

Der entscheidende Unterschied

OTUs beschreiben die modellierte pulmonale Sauerstoffdosis. REPEX ordnet diese Dosis in eine mehrtägige Expositionsserie ein.

Berücksichtigt REPEX wirklich die Erholung?

REPEX stellt für wiederholte Expositionen abgestufte tägliche OTU-Limits zur Verfügung.

Je länger die geplante Tauchserie dauert, desto niedriger wird die empfohlene durchschnittliche Tagesbelastung.

Damit berücksichtigt das Modell indirekt, dass bei wiederholten Expositionen ausreichend Erholung notwendig ist.

1

Tägliche OTUs bestimmen

Alle Sauerstoffexpositionen eines Tauchtages werden addiert.

2

Dauer der Tauchserie festlegen

Es wird betrachtet, über wie viele aufeinanderfolgende Tage die Exposition stattfinden soll.

3

REPEX-Limit auswählen

Das empfohlene tägliche Limit wird an die Länge der Tauchserie angepasst.

4

Erholungszeiten planen

Pausentage oder reduzierte Expositionen können in die Gesamtplanung einbezogen werden.

Vereinfachtes Modell

REPEX bildet die tatsächliche biologische Regeneration nicht individuell ab. Es arbeitet mit konservativen Expositionsgrenzen für unterschiedlich lange Tauchserien.

Für welche Tauchgänge ist REPEX besonders relevant?

  • mehrtägige CCR-Expeditionen,
  • technische Tauchreisen,
  • mehrere lange Tauchgänge pro Tag,
  • wiederholte ausgedehnte Sauerstoffdekompressionen,
  • Projekte mit langen Grundzeiten und umfangreicher Dekompression,
  • Expositionen mit hohen täglichen OTU-Werten.

Bei einer mehrtägigen Expedition ist nicht nur entscheidend, was an einem einzelnen Tag passiert, sondern wie sich die Sauerstoffdosis über die gesamte Serie verteilt.

CNS, OTU und REPEX im direkten Vergleich

Modell Bewerteter Bereich Typische Zeitskala Darstellung
CNS-Uhr Zentralnervöse Sauerstoffbelastung Minuten bis Stunden Prozent
OTU Pulmonale Sauerstoffdosis Stunden bis Tage Oxygen Tolerance Units
REPEX Wiederholte pulmonale Exposition Mehrere Tage Tägliche und mehrtägige OTU-Limits

Die CNS-Uhr bewertet nicht die pulmonale Belastung. OTUs und REPEX bewerten nicht zuverlässig das akute Krampfrisiko.

Warum können CNS und OTU gleichzeitig sehr unterschiedlich sein?

Ein Tauchgang kann eine hohe CNS-Belastung erzeugen, ohne außergewöhnlich viele OTUs zu verursachen.

Umgekehrt kann ein sehr langer Tauchgang viele OTUs erzeugen, obwohl der maximale PO₂ moderat bleibt.

Kurz und hoch

Hoher PO₂ für begrenzte Zeit

Der CNS-Wert kann schnell steigen, während die pulmonale Gesamtdosis noch begrenzt bleibt.

Lang und moderat

Moderater PO₂ über viele Stunden

Die OTU-Zahl kann erheblich werden, obwohl die akute CNS-Belastung weniger auffällig erscheint.

Deshalb braucht es mehrere Modelle

Eine einzige Zahl kann nicht gleichzeitig die akute neurologische und die kumulative pulmonale Sauerstoffbelastung abbilden.

Warum stimmen Tauchcomputer manchmal nicht überein?

Viele Taucher vergleichen nach einem Tauchgang ihre Computer und stellen unterschiedliche CNS- oder OTU-Werte fest.

Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe.

Unterschiedliche Messintervalle

Computer können PO₂- und Tiefendaten in unterschiedlichen Zeitabständen verarbeiten.

Rundung

Kleine mathematische Rundungsunterschiede können sich über einen langen Tauchgang summieren.

Unterschiedliche PO₂-Quelle

Ein Computer rechnet möglicherweise mit dem Setpoint, ein anderer mit gemessenen Sensorwerten.

Abweichende Algorithmen

Hersteller können Exposition und Erholung unterschiedlich umsetzen.

Unterschiedliche Einstellungen

Gasgemische, Setpoints und Oberflächenintervalle können abweichen.

Startwerte

Vorherige Tauchgänge oder verbleibende CNS-Werte können unterschiedlich berücksichtigt werden.

Nur Vergleichbares vergleichen

Zwei Computer lassen sich nur sinnvoll vergleichen, wenn Gase, Setpoints, Expositionshistorie und Berechnungsgrundlagen übereinstimmen.

Wie erholt sich die CNS-Uhr?

Viele Tauchcomputer reduzieren den CNS-Wert während einer Exposition mit niedrigerem PO₂ oder an der Oberfläche.

Häufig wird dabei ein Halbwertszeitmodell verwendet.

Das bedeutet, dass sich der berechnete Wert innerhalb einer definierten Zeit ungefähr halbiert.

Modellierte Erholung

Die CNS-Erholung im Computer ist eine mathematische Annahme. Sie beweist nicht, dass alle biologischen Auswirkungen einer Sauerstoffexposition exakt im gleichen Tempo verschwinden.

Ein zurückgesetzter oder deutlich gesunkener CNS-Wert bedeutet nicht, dass der Computer den tatsächlichen neurologischen Zustand des Tauchers gemessen hat.

Können CNS oder OTUs eine Sauerstofftoxizität vorhersagen?

Nein.

Keines der Modelle kann zuverlässig vorhersagen, wann ein bestimmter Taucher einen Sauerstoffkrampf, Husten oder messbare Veränderungen der Lungenfunktion entwickelt.

Individuelle Empfindlichkeit

Menschen reagieren unterschiedlich auf dieselbe Sauerstoffexposition.

Tagesform

Müdigkeit, Belastung und gesundheitlicher Zustand verändern sich.

CO₂-Belastung

Kohlendioxid kann das neurologische Sauerstoffrisiko beeinflussen, wird von den Modellen aber nicht direkt erfasst.

Biologische Streuung

Zwischen berechneter Exposition und tatsächlicher Reaktion besteht keine feste individuelle Beziehung.

Die Modelle beschreiben Expositionen und Planungsgrenzen – nicht den Zeitpunkt, an dem ein individueller Körper Symptome entwickelt.

Warum bleiben die Modelle trotzdem wichtig?

Die fehlende individuelle Vorhersage macht die Modelle nicht nutzlos.

Gerade weil die persönliche Empfindlichkeit nicht zuverlässig bekannt ist, werden konservative Expositionsgrenzen benötigt.

Vergleichbarkeit

Unterschiedliche Tauchgänge können anhand derselben Kennzahlen verglichen werden.

Begrenzung

Sauerstoffexpositionen lassen sich systematisch unter konservativen Planungswerten halten.

Dokumentation

Die kumulative Belastung über mehrere Tauchgänge wird sichtbar.

Entscheidungsgrundlage

Setpoints, Dekompressionsgase und Erholungstage können fundierter geplant werden.

Risikomanagement statt Vorhersage

CNS, OTU und REPEX sollen keine individuelle Sauerstofftoxizität diagnostizieren. Sie sollen Expositionen so begrenzen, dass das Risiko möglichst klein bleibt.

Wie werden die Modelle praktisch genutzt?

Bei einem einzelnen technischen Tauchgang steht häufig der CNS-Wert stärker im Vordergrund.

Bei langen Tauchzeiten und mehreren Tauchgängen gewinnen OTUs zunehmend an Bedeutung.

Bei mehrtägigen Expeditionen sollte zusätzlich die REPEX-Planung betrachtet werden.

1

PO₂-Verlauf planen

Arbeits- und Dekompressions-PO₂ werden konservativ festgelegt.

2

CNS prüfen

Die akute neurologische Exposition des geplanten Tauchgangs wird bewertet.

3

OTUs addieren

Die pulmonale Sauerstoffdosis aller Tauchgänge eines Tages wird berücksichtigt.

4

REPEX einbeziehen

Bei einer Tauchserie wird die tägliche Belastung über mehrere Tage bewertet.

5

Reserve einplanen

Die theoretischen Grenzen werden nicht vollständig ausgereizt.

Ein Beispiel aus einer mehrtägigen CCR-Expedition

Ein Taucher plant über mehrere Tage jeweils zwei lange CCR-Tauchgänge.

Der Setpoint bleibt während der Grundzeit moderat.

Während der Dekompression steigt der PO₂ jedoch über längere Zeit an.

Betrachtung Mögliche Aussage
CNS pro Tauchgang Zeigt die modellierte neurologische Exposition des einzelnen Tauchgangs.
CNS pro Tag Zeigt die aufsummierte neurologische Exposition beider Tauchgänge.
OTUs pro Tag Zeigt die gesamte pulmonale Sauerstoffdosis des Tauchtages.
REPEX über die Expedition Hilft zu beurteilen, ob die tägliche OTU-Belastung über die gesamte Tauchserie konservativ bleibt.

Ein einzelner unauffälliger CNS-Wert sagt noch nichts darüber aus, wie hoch die pulmonale Gesamtbelastung der gesamten Expedition ist.

Warum sollte nicht bis an die Modellgrenze geplant werden?

Jede Modellberechnung enthält Annahmen und Vereinfachungen.

Gleichzeitig kann sich der reale Tauchgang vom Plan unterscheiden.

  • Die Grundzeit kann länger werden.
  • Die Dekompression kann sich verlängern.
  • Der PO₂ kann vom geplanten Wert abweichen.
  • Körperliche Belastung und CO₂ können steigen.
  • Weitere Tauchgänge können hinzukommen.
  • Die individuelle Empfindlichkeit bleibt unbekannt.

Keine Reserve am Limit

Wer einen Tauchgang bereits im Plan bis an die maximale Modellgrenze ausreizt, besitzt kaum Reserve für Verzögerungen, Fehler oder zusätzliche Exposition.

Konservative Planung bedeutet nicht nur, unter einer Grenze zu bleiben. Sie bedeutet, bewusst Abstand zu dieser Grenze zu halten.

Was bedeutet das für Taucher?

Die wichtigste Erkenntnis lautet:

Verlasse dich niemals auf nur eine Kennzahl.

Für die Praxis bedeutet das:

  • PO₂-Werte passend zur Tauchphase konservativ planen,
  • CNS-Belastung pro Tauchgang und Tauchtag überwachen,
  • OTUs bei langen Expositionen dokumentieren,
  • REPEX bei mehrtägigen Tauchserien berücksichtigen,
  • Computer nur bei identischen Einstellungen vergleichen,
  • Modelle als Orientierung und nicht als Garantie verwenden,
  • ausreichende Reserven und Erholungszeiten einplanen.

Gesamtbild statt Einzelwert

Eine sichere Sauerstoffplanung betrachtet PO₂, CNS, OTUs, REPEX, körperliche Belastung, CO₂-Risiko und den gesamten Verlauf der Tauchserie.

Häufige Irrtümer über CNS, OTU und REPEX

„100 Prozent CNS bedeutet automatisch einen Krampfanfall.“

Falsch. Die CNS-Uhr beschreibt ein konservatives Expositionsmodell und keine feste biologische Krampfschwelle.

„Unter 100 Prozent CNS kann nichts passieren.“

Falsch. Das Risiko ist unterhalb des Modelllimits nicht null. Individuelle Empfindlichkeit und CO₂ werden nicht vollständig erfasst.

„OTUs zeigen das Krampfrisiko.“

Falsch. OTUs beziehen sich auf die modellierte pulmonale Sauerstoffdosis.

„Eine hohe OTU-Zahl beweist eine Lungenschädigung.“

Falsch. Der Wert beschreibt die Exposition, nicht den medizinischen Zustand der Lunge.

„REPEX ersetzt OTUs.“

Falsch. REPEX verwendet OTU-basierte Grenzen zur Planung wiederholter Expositionen über mehrere Tage.

„Alle Tauchcomputer berechnen exakt gleich.“

Falsch. Hersteller können unterschiedliche Messintervalle, Rundungen, PO₂-Quellen und Erholungsmodelle verwenden.

„Wenn mein Computer grünes Licht zeigt, ist der Tauchgang sicher.“

Falsch. Ein Tauchcomputer zeigt modellierte Werte. Er kennt weder deine tatsächliche CO₂-Belastung noch deine individuelle Sauerstoffempfindlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet CNS?

CNS steht für Central Nervous System. Der Wert beschreibt die modellierte Belastung des zentralen Nervensystems durch erhöhten Sauerstoffpartialdruck.

Was bedeutet ein CNS-Wert von 100 Prozent?

Er bedeutet, dass das verwendete Expositionsmodell sein definiertes Limit erreicht hat. Er sagt nicht voraus, dass unmittelbar ein Krampfanfall auftreten wird.

Was sind OTUs?

Oxygen Tolerance Units sind ein Modell zur Abschätzung der kumulativen pulmonalen Sauerstoffdosis anhand von PO₂ und Expositionsdauer.

Ab welchem PO₂ entstehen OTUs?

Im klassischen Modell wird eine OTU-Belastung für Expositionen oberhalb eines Sauerstoffpartialdrucks von ungefähr 0,5 bar berechnet.

Was ist REPEX?

REPEX ist ein Modell zur Planung wiederholter pulmonaler Sauerstoffexpositionen über mehrere Tage. Es verwendet abgestufte OTU-Limits für unterschiedlich lange Tauchserien.

Welcher Wert ist am wichtigsten?

Keiner der Werte ersetzt die anderen. CNS bewertet die zentralnervöse Exposition, OTUs die pulmonale Sauerstoffdosis und REPEX die wiederholte Belastung über mehrere Tage.

Warum zeigt mein zweiter Computer andere Werte?

Ursachen können unterschiedliche Messintervalle, Rundungen, Setpoints, PO₂-Quellen, Startwerte oder Erholungsmodelle sein.

Kann ein Computer einen Sauerstoffkrampf vorhersagen?

Nein. Er kann die modellierte CNS-Exposition berechnen, kennt jedoch nicht die individuelle neurologische Empfindlichkeit oder tatsächliche CO₂-Belastung.

Brauche ich REPEX bei einem einzelnen Tauchgang?

REPEX ist vor allem für wiederholte Expositionen über mehrere Tage relevant. Bei einem einzelnen Tauchgang stehen normalerweise CNS und OTUs stärker im Vordergrund.

Kann ich mich vollständig auf meinen Tauchcomputer verlassen?

Nein. Der Computer ist ein wichtiges Planungs- und Überwachungswerkzeug. Die Verantwortung für PO₂-Wahl, Tauchprofil, Reserven und Gesamtbelastung bleibt jedoch beim Taucher.

Wissenschaftlich eingeordnet

Stand der Forschung

Die heute verwendeten Sauerstoffmodelle entstanden aus jahrzehntelanger Forschung in der Hyperbar- und Tauchmedizin.

Die CNS-Uhr basiert auf experimentellen Expositionsgrenzen für die zentralnervöse Sauerstofftoxizität. OTUs gehen auf Modelle zur pulmonalen Sauerstoffbelastung zurück.

REPEX erweitert die OTU-Planung um abgestufte Grenzwerte für wiederholte Expositionen über mehrere Tage.

Alle Modelle vereinfachen komplexe biologische Vorgänge. Sie können weder individuelle Empfindlichkeit noch alle Einflussfaktoren eines realen Tauchgangs vollständig abbilden.

Ihre Stärke liegt deshalb nicht in einer exakten Vorhersage, sondern in der standardisierten und konservativen Begrenzung der Sauerstoffexposition.

Fazit

CNS, OTU und REPEX verfolgen unterschiedliche Ziele.

Die CNS-Uhr beschreibt die modellierte kurzfristige neurologische Sauerstoffbelastung.

OTUs bewerten die kumulative pulmonale Sauerstoffdosis.

REPEX ordnet wiederholte OTU-Expositionen in eine mehrtägige Tauchserie ein.

Keine dieser Kennzahlen kann eine Sauerstofftoxizität sicher vorhersagen.

Gemeinsam helfen sie jedoch, Sauerstoffexpositionen systematisch, nachvollziehbar und konservativ zu planen.

Nicht eine einzelne Zahl macht einen Tauchgang sicher. Entscheidend ist das Verständnis dafür, was die Zahl beschreibt – und was sie nicht beschreiben kann.

Kernaussage der Forschung

CNS, OTUs und REPEX beschreiben unterschiedliche Aspekte der Sauerstoffbelastung. Die CNS-Uhr bewertet die modellierte zentralnervöse Exposition, OTUs die pulmonale Sauerstoffdosis und REPEX wiederholte Expositionen über mehrere Tage. Keines dieser Modelle erlaubt eine sichere individuelle Vorhersage. Gemeinsam bilden sie jedoch eine wichtige Grundlage für die konservative Planung technischer Tauchgänge.

Quellen

NOAA.
NOAA Diving Manual.
Tabellen und Modelle zur zentralnervösen und pulmonalen Sauerstoffexposition.

Bennett PB, Elliott DH.
The Physiology and Medicine of Diving.

Hamilton RW.
REPEX: Repetitive Oxygen Exposure Limits.

Vann RD et al.
Fachbeiträge und Workshopberichte zur Sauerstofftoxizität im Tauchen.

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