DCS

Persistierendes Foramen ovale (PFO): Wann erhöht es das DCS-Risiko?

31.07.2026 Jonas Martins 17 Min. Lesezeit
Persistierendes Foramen ovale (PFO): Wann erhöht es das DCS-Risiko?

Ein persistierendes Foramen ovale, kurz PFO, ist eine kleine Verbindung zwischen dem rechten und linken Vorhof des Herzens. Bei vielen Menschen bleibt diese Verbindung nach der Geburt teilweise bestehen, ohne jemals Beschwerden zu verursachen. Beim Tauchen kann ein PFO jedoch unter bestimmten Bedingungen venösen Gasblasen ermöglichen, den natürlichen Filter der Lunge zu umgehen.

Kurz erklärt

Ein PFO ist keine Erkrankung, sondern eine weit verbreitete anatomische Besonderheit. Für Taucher wird es dann relevant, wenn venöse Gasblasen durch die Verbindung zwischen den Vorhöfen direkt in den arteriellen Kreislauf gelangen können.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein persistierendes Foramen ovale ist eine Verbindung zwischen rechtem und linkem Vorhof des Herzens.
  • Etwa jeder vierte Mensch besitzt ein PFO, häufig ohne davon zu wissen.
  • Im Alltag verursacht ein PFO in den meisten Fällen keine gesundheitlichen Beschwerden.
  • Beim Tauchen kann ein PFO venösen Gasblasen ermöglichen, den natürlichen Lungenfilter zu umgehen.
  • Ein PFO allein verursacht keine Dekompressionskrankheit.
  • Das individuelle Risiko hängt unter anderem von der Größe des PFO, der Blasenbelastung und dem jeweiligen Tauchprofil ab.

Was ist ein persistierendes Foramen ovale?

Vor der Geburt besitzt jeder Mensch eine kleine Verbindung zwischen dem rechten und dem linken Vorhof des Herzens.

Diese Öffnung wird Foramen ovale genannt.

Da die Lunge eines ungeborenen Kindes noch nicht für den Gasaustausch genutzt wird, ermöglicht das Foramen ovale dem Blut, den Lungenkreislauf teilweise zu umgehen.

Nach der Geburt entfaltet sich die Lunge und übernimmt ihre normale Funktion. Dadurch verändern sich die Druckverhältnisse im Herzen.

Der Druck im linken Vorhof steigt und drückt die bewegliche Gewebeklappe des Foramen ovale normalerweise gegen die Vorhofscheidewand.

Bei den meisten Menschen verschließt sich die Verbindung funktionell oder vollständig innerhalb der ersten Lebensmonate.

Bleibt die Verbindung teilweise erhalten, spricht man von einem persistierenden Foramen ovale, abgekürzt PFO.

Vor der Geburt

Normale Verbindung

Das Foramen ovale ermöglicht dem Blut, die noch nicht arbeitende Lunge des ungeborenen Kindes teilweise zu umgehen.

Nach der Geburt

Möglicher Fortbestand

Verschließt sich die Verbindung nicht vollständig, bleibt ein persistierendes Foramen ovale bestehen.

Wissenschaftlich eingeordnet

Ein PFO ist zunächst keine Krankheit. Viele Menschen leben ihr gesamtes Leben damit, ohne jemals Beschwerden zu entwickeln oder von der Verbindung im Herzen zu erfahren.

Wie fließt das Blut normalerweise durch das Herz?

Sauerstoffarmes Blut aus dem Körper gelangt über die Venen in den rechten Vorhof des Herzens.

Von dort fließt es in die rechte Herzkammer und wird anschließend in die Lunge gepumpt.

In der Lunge wird das Blut mit Sauerstoff angereichert. Gleichzeitig können gelöste Inertgase und kleine venöse Gasblasen über den Lungenkreislauf abgegeben oder zurückgehalten werden.

Danach gelangt das sauerstoffreiche Blut über die Lungenvenen in den linken Vorhof und weiter in die linke Herzkammer.

Von dort wird es in den arteriellen Körperkreislauf gepumpt und versorgt Gehirn, Rückenmark und andere Organe.

1

Venöses Blut

Sauerstoffarmes Blut und mögliche venöse Gasblasen gelangen zum rechten Herzen.

2

Rechte Herzhälfte

Das Blut fließt vom rechten Vorhof in die rechte Herzkammer.

3

Lungenkreislauf

Das Blut wird in die Lunge gepumpt. Dort werden viele venöse Gasblasen zurückgehalten oder lösen sich wieder auf.

4

Linke Herzhälfte

Das sauerstoffreiche Blut gelangt über den linken Vorhof in die linke Herzkammer.

5

Arterieller Kreislauf

Die linke Herzkammer pumpt das Blut in den Körperkreislauf.

Warum interessiert ein PFO besonders Taucher?

Nach vielen Tauchgängen können venöse Gasblasen entstehen.

Normalerweise werden diese Blasen mit dem venösen Blut zum rechten Herzen und anschließend in die Lunge transportiert.

Die Lunge übernimmt dabei eine wichtige Schutzfunktion. Sie wirkt für viele kleine venöse Gasblasen wie ein biologischer Filter.

Ein PFO kann diesen natürlichen Weg unter bestimmten Bedingungen umgehen.

Öffnet sich die Verbindung zwischen dem rechten und linken Vorhof, können venöse Gasblasen direkt von der rechten auf die linke Herzseite gelangen.

Von dort können sie mit dem arteriellen Blut in den Körperkreislauf weitertransportiert werden.

Dadurch können sie Organe erreichen, die normalerweise durch den Lungenfilter geschützt wären.

Für Taucher ist nicht das PFO allein entscheidend, sondern die Möglichkeit, dass venöse Gasblasen den Lungenfilter umgehen und in den arteriellen Kreislauf gelangen.

Wie können Gasblasen den Lungenfilter umgehen?

1

Venöse Gasblasen entstehen

Während oder nach der Dekompression können sich Inertgasblasen bilden und mit dem venösen Blut zum rechten Herzen gelangen.

2

Normaler Weg zur Lunge

Ohne einen Rechts-links-Übertritt werden die Blasen in den Lungenkreislauf transportiert und dort größtenteils zurückgehalten.

3

Druck im rechten Vorhof steigt

Bestimmte Situationen können den Druck auf der rechten Herzseite vorübergehend erhöhen.

4

PFO öffnet sich

Ist ein PFO vorhanden, kann sich die Verbindung zwischen den Vorhöfen kurzzeitig öffnen.

5

Blasen gelangen nach links

Venöse Gasblasen können vom rechten in den linken Vorhof übertreten.

6

Eintritt in den Körperkreislauf

Die Blasen können über die linke Herzkammer in den arteriellen Kreislauf gelangen und empfindliche Organe erreichen.

Merke

Ein PFO wird erst dann tauchmedizinisch relevant, wenn gleichzeitig venöse Gasblasen vorhanden sind und ein ausreichender Druckunterschied einen Rechts-links-Übertritt ermöglicht.

Welche Situationen können einen Rechts-links-Übertritt begünstigen?

Ein PFO ist häufig keine dauerhaft weit geöffnete Verbindung. Es kann sich vielmehr unter bestimmten Druckverhältnissen kurzzeitig öffnen.

Dabei spielt der Druckunterschied zwischen dem rechten und linken Vorhof eine wichtige Rolle.

Steigt der Druck im rechten Vorhof vorübergehend über den Druck im linken Vorhof, kann Blut durch das PFO auf die linke Herzseite gelangen.

Pressen

Starkes Pressen kann den Druck im Brustkorb und auf der rechten Herzseite vorübergehend erhöhen.

Schweres Heben

Das Heben schwerer Ausrüstung unmittelbar nach dem Tauchgang kann mit Pressatmung verbunden sein.

Husten

Kräftiges Husten kann kurzfristig die Druckverhältnisse im Herzen verändern.

Anstrengung nach dem Tauchen

Intensive körperliche Belastung kann sowohl die Zirkulation als auch die Druckverhältnisse beeinflussen.

Valsalva-Manöver

Ein kräftiges Pressmanöver kann einen kurzfristigen Rechts-links-Übertritt begünstigen.

Hohe Blasenbelastung

Je mehr venöse Gasblasen vorhanden sind, desto größer ist grundsätzlich die Zahl der Blasen, die einen möglichen Übertritt erreichen könnten.

Wichtig

Nicht jede dieser Situationen führt automatisch zu einem Übertritt von Gasblasen. Sie können jedoch unter ungünstigen Bedingungen die Druckverhältnisse zwischen den Vorhöfen verändern.

Ein PFO allein verursacht keine DCS

Eine häufige Fehlannahme lautet:

„Wenn ich ein PFO habe, bekomme ich zwangsläufig eine Dekompressionskrankheit.“

Das stimmt nicht.

Ein PFO ist zunächst lediglich eine anatomische Besonderheit. Es kann einen möglichen Weg für venöse Gasblasen in den arteriellen Kreislauf eröffnen, verursacht aber für sich allein keine Dekompressionskrankheit.

Damit ein PFO das individuelle Risiko beeinflusst, müssen mehrere Bedingungen zusammenkommen.

Venöse Gasblasen

Ohne vorhandene venöse Gasblasen gibt es keine Blasen, die durch das PFO in den arteriellen Kreislauf gelangen könnten.

Größe des PFO

Größere oder funktionell stärker ausgeprägte Verbindungen können einen umfangreicheren Rechts-links-Übertritt ermöglichen.

Druckverhältnisse

Ein Übertritt wird begünstigt, wenn der Druck im rechten Vorhof vorübergehend höher ist als im linken Vorhof.

Tauchprofil

Tiefe, Grundzeit, Wiederholungstauchgänge und Dekompressionsbelastung beeinflussen die mögliche Blasenbildung.

Zeitpunkt des Übertritts

Entscheidend ist auch, ob sich zu dem Zeitpunkt, an dem sich das PFO öffnet, tatsächlich Gasblasen im venösen Kreislauf befinden.

Individuelle Physiologie

Durchblutung, biologische Reaktionen und weitere persönliche Faktoren beeinflussen das individuelle DCS-Risiko.

Ein PFO ist ein möglicher Risikofaktor. Es ist jedoch weder eine DCS-Diagnose noch eine alleinige Ursache für einen Dekompressionsunfall.

Wie stark erhöht ein PFO das DCS-Risiko?

Die wissenschaftliche Evidenz zeigt einen Zusammenhang zwischen einem PFO und bestimmten Formen der Dekompressionskrankheit.

Dieser Zusammenhang betrifft insbesondere neurologische Ereignisse, bei denen Gasblasen über einen Rechts-links-Übertritt in den arteriellen Kreislauf gelangt sein könnten.

Das individuelle Risiko lässt sich jedoch nicht allein anhand der Frage beurteilen, ob ein PFO vorhanden ist.

Ein kleines PFO ohne relevanten Übertritt kann tauchmedizinisch anders zu bewerten sein als eine größere Verbindung, durch die bei einer Kontrastmitteluntersuchung zahlreiche Blasen auf die linke Herzseite gelangen.

Kleiner Shunt

Geringer Übertritt

Es gelangen nur wenige Kontrastmittelblasen oder venöse Gasblasen auf die linke Herzseite.

Großer Shunt

Ausgeprägter Übertritt

Eine größere Zahl von Blasen kann vom rechten in den linken Vorhof gelangen. Dies kann tauchmedizinisch bedeutsamer sein.

Wissenschaftlich eingeordnet

Nicht jedes PFO besitzt dieselbe funktionelle Bedeutung. Bei der Risikobewertung spielen deshalb nicht nur das Vorhandensein, sondern auch die Größe und das Ausmaß des nachweisbaren Rechts-links-Übertritts eine Rolle.

Warum wird ein PFO häufig erst nach einer DCS entdeckt?

Die meisten Menschen wissen nicht, dass sie ein PFO besitzen.

Im Alltag verursacht die Verbindung in der Regel keine Beschwerden und wird bei normalen medizinischen Untersuchungen häufig nicht bemerkt.

Erst wenn nach einem Tauchgang eine Dekompressionskrankheit auftritt, kann ein PFO als möglicher Risikofaktor in den Fokus rücken.

Das gilt insbesondere bei Ereignissen mit neurologischen, vestibulären oder ungewöhnlich ausgeprägten Hautsymptomen, sofern das Tauchprofil die Schwere der Beschwerden nicht ausreichend erklärt.

Wichtig

Auch wenn nach einer DCS ein PFO festgestellt wird, ist damit nicht automatisch bewiesen, dass es die alleinige Ursache des Ereignisses war. Eine DCS entsteht meist aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Sollte jeder Taucher auf ein PFO untersucht werden?

Ein generelles PFO-Screening aller Taucher wird nicht grundsätzlich empfohlen.

Der Grund dafür ist die hohe Verbreitung eines PFO in der Bevölkerung. Würde jeder Taucher untersucht, erhielten viele vollkommen beschwerdefreie Menschen einen Befund, dessen tatsächliche Bedeutung für ihr persönliches Tauchverhalten unklar sein kann.

Eine Untersuchung kann jedoch nach bestimmten Dekompressionsereignissen oder bei einem begründeten medizinischen Verdacht sinnvoll sein.

Mögliche Gründe für eine individuelle Abklärung können sein:

  • eine neurologische DCS nach einem Tauchgang mit vergleichsweise geringer Dekompressionsbelastung,
  • wiederholte, nicht ausreichend erklärte DCS-Ereignisse,
  • ungewöhnlich ausgeprägte Hautsymptome nach dem Tauchen,
  • wiederkehrende neurologische Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit Tauchgängen,
  • eine tauchmedizinische Empfehlung aufgrund der individuellen Vorgeschichte.

Die Entscheidung für eine PFO-Untersuchung sollte nicht aus Angst, sondern aufgrund einer nachvollziehbaren tauchmedizinischen Fragestellung getroffen werden.

Wie wird ein PFO untersucht?

Ein PFO kann mithilfe verschiedener Ultraschallverfahren untersucht werden. Dabei wird häufig ein Kontrastmitteltest mit aufgeschüttelter Kochsalzlösung durchgeführt.

Die dabei entstehenden Mikroblasen werden in eine Vene injiziert und gelangen zunächst in die rechte Herzhälfte.

Unter normalen Bedingungen werden sie in der Lunge zurückgehalten. Sind sie nach einem Pressmanöver auf der linken Herzseite nachweisbar, besteht ein Rechts-links-Übertritt.

1

Kontrastmittel

Eine aufgeschüttelte Kochsalzlösung mit kleinen Mikroblasen wird in eine Vene verabreicht.

2

Rechte Herzhälfte

Die Mikroblasen gelangen über das venöse Blut in den rechten Vorhof.

3

Pressmanöver

Ein gezieltes Valsalva-Manöver kann den Druck im rechten Vorhof vorübergehend erhöhen.

4

Nachweis des Übertritts

Erscheinen Mikroblasen auf der linken Herzseite, ist ein Rechts-links-Shunt nachweisbar.

TTE

Transthorakale Echokardiografie

Die Ultraschalluntersuchung erfolgt von außen durch die Brustwand. Sie ist nicht invasiv und kann mit einem Kontrastmitteltest kombiniert werden.

TEE

Transösophageale Echokardiografie

Die Untersuchung erfolgt über die Speiseröhre und ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Vorhofscheidewand.

TCD

Transkranieller Doppler

Das Verfahren weist Mikroblasen in den Hirngefäßen nach und kann dadurch einen Rechts-links-Übertritt sehr empfindlich erfassen.

Welches Verfahren im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der medizinischen Fragestellung und der Erfahrung des untersuchenden Zentrums ab.

Was bedeutet ein diagnostiziertes PFO für Taucher?

Die wichtigste Erkenntnis lautet:

Ein PFO ist kein automatischer Grund, mit dem Tauchen aufzuhören.

Ebenso wenig ist es sinnvoll, nach der Diagnose in Panik zu geraten.

Entscheidend ist vielmehr, das persönliche Risiko auf Grundlage der individuellen Vorgeschichte und der geplanten Tauchgänge einzuordnen.

Dabei können unter anderem folgende Fragen relevant sein:

  • Gab es bereits eine Dekompressionskrankheit?
  • Welche Art von Symptomen ist aufgetreten?
  • Wie groß und funktionell relevant ist das PFO?
  • Welche Tauchprofile werden regelmäßig durchgeführt?
  • Wie hoch ist die typische Dekompressionsbelastung?
  • Welche zukünftigen Tauchziele bestehen?

Viele Taucher mit einem bekannten PFO tauchen weiterhin, passen jedoch ihre Tauchstrategie an und reduzieren bewusst die mögliche Blasenbelastung.

Wie lässt sich das Risiko konservativ reduzieren?

Eine konservativere Tauchstrategie kann dazu beitragen, die Bildung venöser Gasblasen zu reduzieren und damit auch die Zahl der Blasen zu begrenzen, die theoretisch durch ein PFO übertreten könnten.

Geringere Tiefe

Flachere Tauchgänge können die Inertgasaufnahme und die Dekompressionsbelastung reduzieren.

Kürzere Grundzeiten

Kürzere Expositionszeiten begrenzen die Aufnahme von Stickstoff oder Helium.

Langsame Aufstiege

Kontrollierte Aufstiegsraten unterstützen eine gleichmäßigere Inertgasabgabe.

Konservative Dekompression

Zusätzliche Sicherheitsreserven können die gesamte Dekompressionsbelastung verringern.

Weniger Wiederholungstauchgänge

Längere Oberflächenpausen und weniger repetitive Belastung können die Restgasbelastung reduzieren.

Nitrox innerhalb der Luftgrenzen

Ein sauerstoffreicheres Gas kann bei unveränderten Luftgrenzen die Stickstoffbelastung reduzieren.

Belastung nach dem Tauchen vermeiden

Schweres Heben, Pressen und intensive körperliche Anstrengung sollten unmittelbar nach dem Tauchgang möglichst vermieden werden.

Individuelle Beratung

Die konkrete Strategie sollte gemeinsam mit einem tauchmedizinisch erfahrenen Arzt festgelegt werden.

Keine Pauschallösung

Welche Einschränkungen oder Anpassungen sinnvoll sind, hängt von der Größe des PFO, der Vorgeschichte und den geplanten Tauchprofilen ab. Allgemeine Empfehlungen ersetzen keine individuelle tauchmedizinische Beurteilung.

Muss ein PFO immer verschlossen werden?

Nein.

Ein interventioneller Verschluss ist keine automatische Standardmaßnahme für jeden Taucher mit einem PFO.

Bei einem solchen Eingriff wird das PFO mithilfe eines Katheters und eines Verschlusssystems abgedeckt.

Ob dieser Eingriff sinnvoll ist, hängt von mehreren individuellen Faktoren ab.

  • Art und Schwere einer vorausgegangenen DCS,
  • Größe und funktionelle Bedeutung des PFO,
  • Erfolg konservativer Anpassungen des Tauchverhaltens,
  • persönliche und berufliche Tauchziele,
  • medizinische Risiken und Nutzen des Eingriffs.

Die Entscheidung sollte gemeinsam mit spezialisierten Kardiologen und tauchmedizinisch erfahrenen Ärzten getroffen werden.

Nach einem PFO-Verschluss

Auch nach einem interventionellen Verschluss ist eine kontrollierte medizinische Nachuntersuchung erforderlich. Erst wenn der Verschluss vollständig eingeheilt und kein relevanter Restshunt mehr nachweisbar ist, kann eine erneute Tauchtauglichkeit individuell beurteilt werden.

Häufige Irrtümer über PFO und Tauchen

„Ein PFO bedeutet automatisch ein hohes DCS-Risiko.“

Falsch. Die meisten Menschen mit einem PFO entwickeln niemals eine Dekompressionskrankheit. Das Risiko hängt zusätzlich von der Größe des PFO, der Blasenbelastung, dem Tauchprofil und weiteren individuellen Faktoren ab.

„Jeder Taucher sollte sich vorsorglich auf ein PFO untersuchen lassen.“

Falsch. Ein generelles Screening aller Taucher wird nicht grundsätzlich empfohlen. Eine Untersuchung kann nach bestimmten DCS-Ereignissen oder bei einem begründeten tauchmedizinischen Verdacht sinnvoll sein.

„Ein PFO verursacht im Alltag normalerweise Beschwerden.“

Falsch. Die meisten Menschen bemerken ihr PFO nie. Es ist häufig eine symptomlose anatomische Variante und wird nur zufällig oder im Rahmen einer gezielten Untersuchung entdeckt.

„Ein diagnostiziertes PFO muss immer verschlossen werden.“

Falsch. Ein interventioneller Verschluss ist keine Standardmaßnahme für jeden Taucher. Die Entscheidung hängt von der individuellen Vorgeschichte, der funktionellen Bedeutung des PFO und den zukünftigen Tauchzielen ab.

„Nach einem PFO-Verschluss kann ich sofort wieder tauchen.“

Falsch. Nach dem Eingriff sind Heilung, medizinische Nachkontrollen und der Ausschluss eines relevanten Restshunts erforderlich. Erst danach kann die Tauchtauglichkeit neu beurteilt werden.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein persistierendes Foramen ovale?

Ein PFO ist eine nach der Geburt bestehen gebliebene Verbindung zwischen dem rechten und linken Vorhof des Herzens. Vor der Geburt ist diese Verbindung normal. Bei einem Teil der Bevölkerung verschließt sie sich später nicht vollständig.

Wie häufig kommt ein PFO vor?

Ein persistierendes Foramen ovale ist weit verbreitet und kommt ungefähr bei einem Viertel der Bevölkerung vor. Die meisten Betroffenen haben im Alltag keine Beschwerden und wissen nichts von dieser anatomischen Besonderheit.

Warum spielt ein PFO beim Tauchen eine Rolle?

Ein PFO kann venösen Gasblasen unter bestimmten Druckverhältnissen ermöglichen, vom rechten in den linken Vorhof und damit direkt in den arteriellen Kreislauf zu gelangen. Dadurch können die Blasen den natürlichen Filter der Lunge umgehen.

Bedeutet ein PFO automatisch, dass ich eine DCS bekomme?

Nein. Ein PFO ist nur einer von mehreren möglichen Risikofaktoren. Die meisten Taucher mit einem PFO entwickeln niemals eine Dekompressionskrankheit.

Sollte sich jeder Taucher auf ein PFO untersuchen lassen?

Für die meisten beschwerdefreien Taucher besteht kein Anlass für ein routinemäßiges Screening. Eine Untersuchung kann nach bestimmten DCS-Ereignissen oder bei einem begründeten tauchmedizinischen Verdacht sinnvoll sein.

Wie wird ein PFO nachgewiesen?

Der Nachweis erfolgt meist mit einem Ultraschallverfahren und einem Kontrastmitteltest. Dabei wird geprüft, ob Mikroblasen vom rechten in den linken Kreislauf übertreten. Je nach Fragestellung kommen unter anderem transthorakale oder transösophageale Echokardiografie sowie transkranieller Doppler infrage.

Kann ich mit einem PFO weiterhin tauchen?

In vielen Fällen ja. Welche Tauchprofile vertretbar sind und welche Anpassungen sinnvoll werden, hängt von der Größe und Funktion des PFO, der medizinischen Vorgeschichte sowie den individuellen Tauchzielen ab. Diese Einschätzung sollte gemeinsam mit einem tauchmedizinisch qualifizierten Arzt erfolgen.

Wie kann ich mein Risiko mit einem PFO reduzieren?

Konservative Tauchprofile, geringere Inertgasbelastung, kontrollierte Aufstiege, längere Oberflächenpausen und das Vermeiden von Pressen oder schwerer körperlicher Belastung unmittelbar nach dem Tauchen können zur Risikoreduktion beitragen.

Kann ein PFO verschlossen werden?

Ja. Ein interventioneller Verschluss ist grundsätzlich möglich. Ob er im Einzelfall sinnvoll ist, muss jedoch gemeinsam mit spezialisierten Kardiologen und Tauchmedizinern beurteilt werden.

Wann darf ich nach einem PFO-Verschluss wieder tauchen?

Erst nach vollständiger Heilung, ärztlicher Nachkontrolle und dem Ausschluss eines relevanten Restshunts kann die Tauchtauglichkeit erneut beurteilt werden. Eine pauschale Frist ersetzt diese individuelle Untersuchung nicht.

Was bedeutet das für Taucher?

Die wichtigste Erkenntnis lautet:

Ein PFO ist kein Grund für Panik und kein automatisches Tauchverbot. Es ist eine anatomische Besonderheit, deren Bedeutung immer im Zusammenhang mit dem individuellen Tauchverhalten und der medizinischen Vorgeschichte bewertet werden muss.

Für Taucher mit einem bekannten PFO bestehen grundsätzlich mehrere mögliche Wege.

Strategie 1

Konservativer tauchen

Die Tauchprofile werden so angepasst, dass Inertgasaufnahme und Blasenbelastung möglichst gering bleiben.

Strategie 2

Tauchaktivität anpassen

Bestimmte tiefe, lange oder stark dekompressionspflichtige Tauchgänge können je nach persönlicher Risikobewertung reduziert oder vermieden werden.

Strategie 3

Verschluss prüfen lassen

Nach einer relevanten DCS und bei passenden zukünftigen Tauchzielen kann ein interventioneller Verschluss individuell erwogen werden.

Welche Option sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit Ärzten getroffen werden, die sowohl Erfahrung in der Kardiologie als auch in der Tauchmedizin besitzen.

Medizinische Entscheidung

Dieser Artikel dient der Wissensvermittlung. Er ersetzt keine persönliche Untersuchung, keine individuelle Risikobewertung und keine ärztliche Entscheidung über Tauchtauglichkeit oder PFO-Verschluss.

Wissenschaftlich eingeordnet

Stand der Forschung

Ein persistierendes Foramen ovale ist keine Erkrankung, sondern eine häufige anatomische Variante. Seine tauchmedizinische Bedeutung entsteht durch die mögliche Funktion als Rechts-links-Verbindung zwischen venösem und arteriellem Kreislauf.

Die wissenschaftliche Evidenz zeigt, dass insbesondere größere oder funktionell ausgeprägte PFOs mit einem erhöhten Risiko für bestimmte neurologische Formen der Dekompressionskrankheit verbunden sein können.

Gleichzeitig entwickelt die große Mehrheit der Taucher mit einem PFO niemals eine DCS. Das Vorhandensein eines PFO allein reicht daher nicht aus, um das individuelle Risiko zuverlässig vorherzusagen.

Fazit

Ein persistierendes Foramen ovale ist bei einem großen Teil der Bevölkerung vorhanden und im Alltag meistens ohne Bedeutung.

Beim Tauchen kann es jedoch unter bestimmten Bedingungen venösen Gasblasen ermöglichen, den natürlichen Filter der Lunge zu umgehen und direkt in den arteriellen Kreislauf zu gelangen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Taucher mit einem PFO automatisch ein hohes DCS-Risiko besitzt oder mit dem Tauchen aufhören muss.

Entscheidend sind das Zusammenspiel aus Größe und Funktion des PFO, der vorhandenen Blasenbelastung, den Druckverhältnissen im Herzen, dem jeweiligen Tauchprofil und der individuellen Vorgeschichte.

Für Taucher bedeutet das vor allem:

Ein PFO ist ein Risikofaktor und keine alleinige Ursache. Gute Entscheidungen entstehen durch fundierte Information, konservatives Tauchverhalten und eine individuelle tauchmedizinische Beurteilung.

Kernaussage der Forschung

Ein persistierendes Foramen ovale ist weit verbreitet und im Alltag meist bedeutungslos. Beim Tauchen kann es unter bestimmten Voraussetzungen venösen Gasblasen den Übertritt in den arteriellen Kreislauf ermöglichen und dadurch insbesondere das Risiko neurologischer Dekompressionsunfälle erhöhen. Das individuelle Risiko hängt jedoch von mehreren Faktoren ab und nicht allein vom Vorhandensein eines PFO.

Quelle

Mitchell SJ.
Decompression illness: a comprehensive overview.
Diving and Hyperbaric Medicine. 2024;54(1 Suppl):1–53.

DOI: 10.28920/dhm54.1.suppl.1-53

Weiterführende Artikel

Die DCS-Trilogie auf einen Blick

1

Dekompressionskrankheit

Wie eine DCS entsteht und warum Gasblasen, biologische Reaktionen und individuelle Faktoren gemeinsam betrachtet werden müssen.

2

Venöse Gasblasen

Warum Gasblasen nach vielen Tauchgängen auftreten können, ohne automatisch eine Erkrankung auszulösen.

3

Persistierendes Foramen ovale

Wie ein PFO unter bestimmten Bedingungen den Lungenfilter umgehen und venöse Gasblasen in den arteriellen Kreislauf gelangen lassen kann.

Die Trilogie zusammengefasst

Die drei Artikel bauen direkt aufeinander auf: Zuerst erklären wir die Dekompressionskrankheit, anschließend die Bedeutung venöser Gasblasen und abschließend den möglichen Übertritt dieser Blasen durch ein PFO.